Oh Mann, und das mit Fluglehrer. . . .


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Geschrieben von Werner am 27. August 2026 17:33:28:

Als Antwort auf: Aufpassen Werner! geschrieben von Espace17 am 27. August 2026 15:39:01:

wußte gar nicht, dass der Attersee sooo tief ist. Ich lese was von 140 Metern Tiefe 200 Meter vom Ufer entfernt. Das ist ja supersteil, für Tauchanfänger nicht geeignet, würde ich sagen - so schön klar, wie das Wasser auch ist.

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Ich wage mal eine Vermutung: der Attersee liegt ganz nah an sehr hohen Bergen, die schnell mal von Wolken verhüllt sind. Zumindest war es so, als ich da war. Alles, was ich sehen konnte, waren steil aufragende Felsen, aber nicht deren oberes Ende. Anscheinend sind die beiden in den Dunst geraten und hatten keine Sicht mehr. Das Flugzeug selbst kann nicht gucken, sagen wir immer. Die Tecnam hat zwar keine schlechten Flugeigenschaften, ist aber mehr auf gute Leistung getrimmt, als auf selbstständiges Zurückfinden in einer stabile Fluglage.

Der Augenzeuge des Unfalls sagt, das Flugzeug sei getrudelt und im Spiralsturz auf das Wasser geprallt. Wasser ist bei hoher Geschwindigkeit wie Beton, da ist jeder Baum besser zum Auffangen. Trudeln kann in Wolken schon allein durch heftige Böen ausgelöst werden, wobei man aus dem Flugzustand in der Regel leicht wieder rauskommt. Schwieriger ist der Steilspiralsturz. Man sieht auf dem Höhenmesser, dass es in die Tiefe geht und zieht instinktiv am Steuerknüppel, ohne dass man gewahr wird in echter Schräglage zu sein.

Egal, ob das nun Trudeln war oder ein Steilspiralsturz, es geht sehr schnell nach unten und bei tiefhängenden Wolken ist die Dauer viel zu kurz, in der man wieder Sicht hat, um sich zu orientieren. Vermutlich wäre selbst bei direkter Orientierung die Zeit zu kurz gewesen, den Flugzustand auszuleiten.

Ich denke mal, dass die Insassen schon beim Aufprall auf das Wasser getötet wurden. Ich bin nicht sicher, ob man in Österreich auch verpflichtend ein Rettungssystem an Bord haben muß. In Deutschland ist es Vorschrift und dieser Unfall ist ein Klassiker, bei dem das Rettungsgerät sofort hätte ausgelöst werden müssen. Das Flugzeug wäre dennoch abgesoffen, aber ein paar hundert Meter schwimmen hätte die Insassen wohl schaffen können, zumal das Wasser nicht so kalt, wie im Winter ist.

Die schwierigsten Entscheidungen sind die, NICHT zu fliegen. Ich bin mal mit dem Sohn Richtung Pfalz geflogen, wollte jemanden besuchen, der am Telefon sagte: "Werner, das willst du doch nicht machen bei dem Wetter" Das war im Winter, eine sehr gute Sicht, ruhige Luft, und dann sah es nach Süden hin etwas sehr dunstig aus. Ich bin also umgekehrt. Kaum hatten wir den Flieger wieder in die Halle geschoben, kam ein Schneeschauer mit absoluter Nullsicht. Ich mach mir heute noch Vorwürfe deshalb. Ich denke, da hätte ich den roten Griff gezogen. Wir waren überm Rhein, können beide schwimmen, aber ein Freibaderlebnis wäre das nicht geworden - wenn es überhaupt gut ausgegangen wäre.

Sodann wollte ich mal den Rhanie (im Forum bekannt) besuchen, der im schönen Frankenland an einer Flugplatzparty teilnahm. Wir telefonierten, ich studierte ausgiebig das Wetter und behielt ein mulmiges Gefühl, schließlich habe ich abgesagt. Flugzeug war schon geordert und reserviert vom Verein. Mir waren die Wolkenuntergrenzen einfach zu tief. Die beste Flugroute hatte immer noch die Überwindung von mehreren hundert Metern Höhe erfordert.

Und was soll ich sagen, in der nächsten Ausgabe der Flugzeitschrift wurde ein Unfall genannt mit zwei Toten. Just an diesem Nachmittag: Sichtverlust und Flug gegen einen Berg. An Bord Schüler und Lehrer.

Mein früherer Chef hat noch im Alter seinen Flugschein gemacht und sollte als einer der Prüfungsflüge mit Lehrer in die Eifel fliegen. Der Lehrer hat den Flug abgesagt und mein Chef rief mich an und war total enttäuscht. Das Wetter sah im Rheinland toll aus, aber der Eifelflugplatz liegt in über 600 Metern Höhe (Dahlemer Binz). Ich beruhigte ihn am Telefon und meinte, der Platz sei schnell mal in den Wolken.

Und war war, von Hangelar aus startet ein Fluglehrer (ehemals von der Bundeswehr) mit Schüler zum Flug genau dorthin. Der Plan war, es zu versuchen. Als sich die Wolkendecke und der Boden immer weiter annäherten, wurd dann entschieden, umzukehren - aber viel zu spät. Die Umkehrkurve über dem Wald wurde ihnen zum Verhängnis. Einer der Bäume war etwas größer, als die anderen, und dort sind sie hängen geblieben. Sowas kann man kaum sehen, wenn man einen Halbkreis fliegt, weil der Kreis ja nicht aufgemalt ist auf den Baumwipfeln.

Das Flugzeug stürzte in den Wald und beide waren tot. Es hat bis zum nächsten Tag gedauert, das Wrack zu orten.

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Meine Unfallbilanz beim Basteln ist jedenfalls wesentlich besser. Einmal habe ich mir einen Splitter in den Finger gerammt, dessen Entfernung etwas gedauert hat, aber ohne Notarzt und ohne Blutverlust vonstatten ging. Man sieht ihn nur im Schatten von der Bergenadel abragen. Das Ding hat echt genervt.

Dorn-aus-Finger

Du hast Recht, Rudi, die sichersten Flugzeuge sind die, die nicht fliegen können.

Gruß

Werner

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